Viel Blau. Ein Blick aufs Meer. Oder auf Berge?
Darüber dünne Linien, die sich umeinander winden.
Sie ergeben das Bild einer Taube.
Aufrecht und stark durchfliegt sie das Blau in großer Höhe.
Durch die Taube hindurch zieht sich eine rote Linie mit Halbkreisen
und eine hellblaue Linie mit Dreiecken. Wie bei einer Wetterkarte.
Da zeigen die roten Linien Warmluftzonen und die blauen Kaltluftzonen an.
Die Taube ist also unterschiedlichstem Wetter ausgesetzt. Fliegt zwischen Warm und Kalt.
„Friedensklima“ lautet das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade.
Der Frieden ist „vielem Wetter“ ausgesetzt: kalten und heißen Kriegen in der Ukraine,
in Syrien, im Jemen, an vielen Orten der Welt. Klimaveränderungen,
die Tiere und Pflanzen leise und zugleich dramatisch aussterben lassen;
die Menschen zum Weggehen aus der Heimat zwingen.
Gegen Letzteres setzen manche Regierende auf Mauern,
andere auf mehr digitale Überwachungstechnik an den Grenzen,
die Dritten setzen auf Nationalismus. Und alle sagen:
Wir brauchen mehr Waffen. Für den Frieden.
Würde die Taube auf dem Plakat tiefer fliegen und unser Land genauer anschauen,
dann sähe sie zunehmende zerklüftete Landschaften zwischen Arm und Reich.
Sie sähe gerodete Brachflächen und verstopfte Autobahnen,
vergiftete Zonen des Hasses auf alles, was fremd ist. Und ganz klein,
in den Ecken der Schulzimmer sähe die Taube Kinder, die sich vor Mobbing fürchten.
„Friedensklima“ ist etwas anderes.
Wie müsste sich anhören, was die Wetterkarte auf dem Plakat zeigt?
Vielleicht so: „Uns erwartet ein Hoch. Es heißt Frieden. Das Hoch zieht von Osten her
über das ganze Land. Es bringt Zuversicht auf eine Rente, die bis zum Lebensende reicht.
Auf Kinder, die bleiben, weil es vor Ort Arbeit genug für alle gibt.
In den frühen Morgenstunden breitet sich das Hoch Frieden dann in der Mitte Deutschlands aus.
Es vertreibt die Gier nach Profiten aus den Türmen der Banken und aus den Köpfen der Menschen.
Supermärkte und Geschäfte setzen zunehmend auf fair gehandelte und regionale Produkte.
Tauschbörsen für allerlei Alltagszeug und Secondhandläden nehmen deutlich zu.
Im Westen des Landes treibt das Hoch die Menschen aus ihren Quartieren.
Sie stellen Tische und Bänke auf die Straßen und feiern ein Fest miteinander.
Arme und Reiche, Einheimische und Zugereiste, Menschen aller Hautfarben, Sprachen und Religionen.
Gegen Abend erreicht das Hoch den Süden Deutschlands.
Dort lädt das Netzwerk der Religionen am Fuße der kleiner werdenden Gletscher
zu einem interreligiösen Friedensgebet zur Zeit des Sonnenuntergangs ein.
Das Hoch Frieden hat den Deutschen Wetterdienst veranlasst,
alle Datenerhebungen für militärische Zwecke ab sofort einzustellen.
Die kostbaren Geräte und Seismografen des Wetterdienstes werden ausschließlich
darauf ausgerichtet werden, gewaltfreien Wegen der Konfliktlösung Daten zu liefern
und zur nachhaltigen Friedensbewahrung beizutragen. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Die weiteren Aussichten: heiter. Der Frieden wird sich ausbreiten.
Sie brauchen in den kommenden Tagen weder Schutzhelme noch Panzer – im Herzen, in der Politik.
Nutzen Sie dieses Hoch, um weltweit aufeinander zuzugehen.
Mit offenem Blick und ehrlichen Worten. "Für den Frieden.“

Zeitzeugen

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Am 21. September 2015 verstarb
Pfarrer i.R. Anselm Tietsch
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Biografie der Lotte Donski

Am 15. Februar 2011 verstarb
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