S-Bahnhof Poelchaustraße in Berlin-Marzahn

 

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Wer waren Dorothee und Harald Poelchau?

D.u.H.Poelchau,1937,Foto:HaraldS.Poelchau

 

„ Doktor Tegel (Deckname für Harald Poelchau) sieht ernst und angegriffen aus.
Fast jeden Tag einen Menschen, den man schätzt oder liebt, zum Schafott begleiten zu müssen,
ist mehr, als ein einzelner ertragen kann.
Dass er es trägt, dass er darüber nicht den Verstand verliert,
sondern jeden freie Minute benutzt, um die Frauen der Verurteilten zu betreuen,
den Verbindungsdienst zwischen ihnen und ihren gefangenen Männern herzustellen,
Untergetauchten zu helfen, Verfolgte unter seinen Schutz zu nehmen, das ist das,
was uns zu diesem Mann fast wie zu einem Heiligen aufblicken lässt.“

Ruth Andreas-Friedrich, Tagebucheintrag vom 20.10.1944

Vor 25 Jahren wurde die frühere Karl-Maron-Straße in Berlin-Marzahn in Poelchaustraße umbenannt.
In einer öffentlichen Veranstaltung wird nun am 18. September eine dort errichtete Stele übergeben,
die an Dorothee Poelchau (1902–1977) und Harald Poelchau (1903–1972) erinnert.
Beide halfen zwischen 1933 und 1945 mit Mut, Wachsamkeit und meist illegal
Angehörigen von Gefangenen, Juden und anderen Verfolgten.
Harald Poelchau war von 1933 an evangelischer Gefängnispfarrer in Tegel, Plötzensee, Moabit
und weiteren Gefängnissen und begleitete dort Inhaftierte des deutschen und ausländischen Widerstands,
u. a. der Roten Kapelle, des Kreisauer Kreises und des 20. Juli 1944.
Vielen stand er bis in ihre letzten Stunden zur Seite und wurde Zeuge von etwa tausend Hinrichtungen.
Beide wurden 1972 von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Harald Poelchau war ab 1951 der erste Sozialpfarrer der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.
Ziel der Initiatoren des Erinnerungsprojekts ist es, über die Namensgeber,
die keinen biografischen Bezug zur Poelchaustraße haben, zu informieren
und an ihre gelebte Menschlichkeit und Zivilcourage zu erinnern.

Das Ökumenische Forum Berlin-Marzahn e.V. übernahm die Trägerschaft.
Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf und das bezirkliche Bündnis für Demokratie
und Toleranz wurden als Kooperationspartner gewonnen.
Schulen und Gruppierungen des Stadtteils konnten einbezogen werden.
Die Veranstaltung zur Übergabe wird vom Victor-Klemperer-Kolleg nachdrücklich unterstützt.
Das Projekt, insbesondere der Text der Stele und eines begleitenden Faltblatts,
wurden mit den Kindern der Poelchaus abgestimmt.
Finanzielle Unterstützung mehrerer Institutionen und Einzelpersonen ermöglichten die Herstellung der Stele und des Faltblatts.

Die Veranstaltung zur Übergabe der Stele wird zwei Teile haben:

Ab 14.00 Uhr ist Gelegenheit für Begegnungen und Gespräche der Gäste im Victor-Klemperer-Kolleg (Martha-Arendsee-Straße 15).
(Verkehrsverbindung: S 7 bis Poelchaustraße, kurzer Fußweg zur Poelchaustraße und dort nach links in die Martha-Arendsee-Straße)
Ab 14.45 Uhr gibt es dort ein vielfältiges Programm mit Beiträgen von Schülerinnen und Schülern,
mit Grußworten – u. a. des Sohnes Harald S. Poelchau aus den USA – und mit einem Referat
von Dr. Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Kirche.
Es soll an das Wirken und die Handlungsmotive der Poelchaus erinnert und
nach ihrer Bedeutung für die heutige Gestaltung demokratischer Prozesse im Gemeinwesen gefragt werden.
Daran schließt sich etwa ab 16.30 Uhr der Übergabeakt am Ort der Stele (Poelchaustraße, Ecke Märkische Allee) an,
bei dem u. a. eine Sprecherin des bezirklichen Bündnisses für Demokratie und Toleranz
sowie die Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle reden werden.
Zur Veranstaltung wurden auch Nachfahren von Angehörigen mehrerer Widerstandsgruppen, Vertreter von bezirklichen
und Berliner Einrichtungen der Gedenk- und Erinnerungsarbeit sowie Personen,
die den Poelchaus beruflich und privat verbunden waren, eingeladen.
Berlin, 11. August 2017

Arbeitsgruppe Erinnerungsprojekt Poelchaustraße in Marzahn
in Trägerschaft des Ökumenischen Forums Berlin-Marzahn e.V.
Kontakt: Wolfram Hülsemann, Tel.: 030 4261228 und 01716235200
Mail: ag.poelchau-marz at web.de